In der mündlichen Ergänzungsprüfung Recht und Steuern (R&S) bekommst du meist einen kurzen Fall aus dem Betrieb und sollst sagen, wer was verlangen kann, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Ergebnis. Wenn du die Dauerbrenner wie Mängelrechte, Kündigung und Umsatzsteuer mit dieser Struktur und der passenden Rechtsgrundlage erklären kannst, bist du für das Gespräch gut aufgestellt.
Die Ergänzungsprüfung gibt es nur, wenn du in genau einem Fach 30 bis 49 Punkte hast, unter 30 Punkten nicht. Sie dauert laut den Fachwirt-Verordnungen in der Regel nicht länger als 15 Minuten. Mehr dazu im Ratgeber zur mündlichen Ergänzungsprüfung beim Fachwirt und zu den nötigen Punkten; Details klärst du bei deiner IHK.
R&S verbindet Vertrags-, Handels- und Arbeitsrecht mit Steuern und Abgabenordnung. Diese fünf Dauerbrenner solltest du frei lösen können:
Außerdem solltest du kennen: Schuldnerverzug, Werk- oder Dienstvertrag, Rügepflicht unter Kaufleuten, Haftung in GmbH, OHG und KG, fristlose Kündigung, Mitbestimmung des Betriebsrats, Einkommensteuertarif und Gewerbesteuer.
Für ein langes Gutachten fehlt die Zeit. Hilfreich ist eine feste Reihenfolge für jeden Fall:
Bei Steuerfällen fragst du entsprechend: Welche Steuer fällt an, wer schuldet sie, wie wird gerechnet, und bis wann ist zu zahlen?
Paragraf nennen statt zitieren. Den Wortlaut musst du nicht aufsagen. Ein Verweis wie „nach § 626 BGB“ zeigt, dass du weißt, wo die Regel steht. Bist du unsicher, nenn das Gesetz und das Prinzip: „Das regelt das Kündigungsschutzgesetz.“ Lieber das Gesetz richtig als einen Paragrafen geraten. Und schließ mit einer Empfehlung, denn viele Fragen enden mit „Was raten Sie?“.
Die Fälle sind selbst formulierte, prüfungsnahe Situationen aus dem MEP-Trainer, Rechtsstand 2026. Sie dienen der Prüfungsvorbereitung und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Die Fachwirte GmbH hat eine Verpackungsmaschine gekauft. Drei Wochen nach der Lieferung fällt die Steuerung immer wieder aus. Der Produktionsleiter will sofort zurücktreten. Frage: Welche Rechte hat die GmbH, und in welcher Reihenfolge?
Mögliche Nachfrage: „Beide Seiten sind Kaufleute. Worauf hätte die GmbH achten müssen?“ Antwort: auf die Untersuchungs- und Rügepflicht nach § 377 HGB. Versteckte Mängel sind unverzüglich nach Entdeckung anzuzeigen.
Die Fachwirte GmbH hat 40 Beschäftigte und schließt eine Abteilung. Einem Sachbearbeiter, seit drei Jahren im Betrieb, soll ordentlich gekündigt werden. Frage: Was müssen Sie prüfen?
Mögliche Nachfrage: „Wie kann sich der Mitarbeiter wehren?“ Antwort: mit einer Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht innerhalb von 3 Wochen nach Zugang, § 4 KSchG.
Die Fachwirte GmbH hat im Monat 60.000 Euro netto zum Regelsteuersatz umgesetzt. Aus Eingangsrechnungen stehen 7.200 Euro Vorsteuer zur Verfügung. Frage: Erklären Sie das System, und ermitteln Sie die Zahllast.
Mögliche Nachfrage: „Eine Tankquittung über 80 Euro hat keinen gesonderten Steuerbetrag. Gibt es Vorsteuer?“ Antwort: ja, als Kleinbetragsrechnung bis 250 Euro brutto, § 33 UStDV (Stand 2026).
Diese Verwechslungen solltest du vermeiden:
Antworttechnik und Tipps gegen Nervosität findest du im Ratgeber Mündliche Ergänzungsprüfung vorbereiten. Für R&S lohnt sich diese Aufteilung:
| Zeitraum | Schwerpunkt | Konkret |
|---|---|---|
| Woche 1 | Recht | Kaufrecht, Verzug, Vertragsarten, Vollmachten, Haftung der Rechtsformen; je Thema einen Fall laut lösen |
| Woche 2 | Arbeitsrecht und Steuern | Kündigung, Betriebsrat, Befristung; Umsatzsteuer, Einspruch, Zuschläge; Fristenliste anlegen |
| Woche 3 | Gespräch üben | 2–3 Probegespräche à 15 Minuten, Nachfragen durchspielen, Fristenliste wiederholen |
Hast du nur zwei Wochen, leg Woche 1 und 2 zusammen und beginne mit den fünf Dauerbrennern. Diese Fristen solltest du parat haben:
| Frist | Dauer | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Mängelansprüche beim Kauf beweglicher Sachen | 2 Jahre ab Ablieferung | § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB |
| Regelverjährung | 3 Jahre ab Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und du davon weißt | § 195, § 199 BGB |
| Fristlose Kündigung | 2 Wochen ab Kenntnis | § 626 Abs. 2 BGB |
| Kündigungsschutzklage | 3 Wochen nach Zugang | § 4 KSchG |
| Einspruch gegen Steuerbescheid | 1 Monat nach Bekanntgabe | § 355 AO |
Im MEP-Trainer übst du genau solche Fälle. Er enthält 120 Karteikarten, 30 je Fach, jeweils mit Situation, Frage, Kernpunkten, Musterantwort, Nachfragen der Prüfer und Stolperfalle. Du antwortest zuerst selbst, deckst dann die Musterantwort auf und klickst deine Einschätzung an: „Nicht sicher“, „Teilweise“ oder „Sicher“.
Starte mit den fünf freien R&S-Karten im MEP-Trainer und löse jeden Fall laut, bevor du aufdeckst.
Anwendungsbezogene Fälle aus dem Fach R&S, meist mit einer kurzen Situation aus dem Betrieb. Typisch sind Mängelrechte, Verzug, Vollmachten, Haftung der Rechtsformen, Kündigung, Umsatzsteuer und die Fristen der Abgabenordnung.
Den Wortlaut nicht. Hilfreich ist, die wichtigsten Normen zu nennen, etwa § 439 BGB für die Nacherfüllung. Sonst nenn das Gesetz und das Prinzip, statt zu raten.
Das legt deine IHK fest, frag dort vor dem Termin nach. In der schriftlichen Prüfung sind unkommentierte Gesetzestexte typischerweise erlaubt, je nach Hilfsmittelliste deiner IHK; mehr dazu im Artikel zu den WQ-Hilfsmitteln. Bereite dich so vor, dass du die Kernfälle auch ohne Gesetz lösen kannst.
Kurze Rechnungen können vorkommen, etwa eine Umsatzsteuer-Zahllast oder die Gewerbesteuer aus Messbetrag und Hebesatz. Wichtiger ist, dass du den Rechenweg in Worten erklärst.
Die schriftliche Leistung zählt doppelt: Ergebnis = (2 × schriftlich + mündlich) ÷ 3. Wie viele Punkte du mündlich brauchst, zeigt die Punktetabelle im Ratgeber
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