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Mündliche Ergänzungsprüfung Rechnungswesen: Themen & Tipps

Fachwirte-Prüfung Redaktion · 02. November 2026 · 8 Min. Lesezeit

Für die mündliche Ergänzungsprüfung Rechnungswesen lohnt es sich, eine Handvoll Dauerbrenner sicher zu erklären: Deckungsbeitrag und Preisuntergrenze, Zuschlagskalkulation, die Abgrenzung von Aufwand und Kosten, den Wertansatz in der Bilanz und die Liquiditätsgrade. Gefragt ist selten die lange Rechnung, sondern dass du in wenigen Sätzen sagst, wie du rechnest und was das Ergebnis für den Betrieb bedeutet.

Die Ergänzungsprüfung gibt es nur, wenn du in genau einem Fach 30 bis 49 Punkte hast, hier also in REWE. Unter 30 Punkten ist sie nicht möglich. Das Gespräch dauert laut den Fachwirt-Verordnungen in der Regel nicht länger als 15 Minuten, die schriftliche Leistung zählt dabei doppelt. Die Voraussetzungen erklärt der Ratgeber zur mündlichen Ergänzungsprüfung beim Fachwirt. Details klärst du bei deiner IHK.

Die Dauerbrenner der mündlichen Ergänzungsprüfung Rechnungswesen

Fang mit diesen fünf an. Die Fragen sind prüfungsnah und von uns selbst formuliert.

ThemaTypische FrageDas gehört in die Antwort
Deckungsbeitrag„Nehmen Sie einen Zusatzauftrag unter Vollkosten an?“Kurzfristige Preisuntergrenze sind die variablen Stückkosten, die Fixkosten bleiben gleich
Zuschlagskalkulation„Wie kommen Sie auf die Selbstkosten?“Materialkosten plus Fertigungskosten ergeben die Herstellkosten, darauf der Zuschlag für Verwaltung und Vertrieb
Kosten- und Leistungsrechnung„Welche Beträge aus der GuV übernehmen Sie?“Neutraler Aufwand bleibt draußen, kalkulatorische Kosten kommen hinzu
Bilanzierung„Mit welchem Wert setzen Sie die Rohstoffe an?“Strenges Niederstwertprinzip im Umlaufvermögen
Liquidität„Wie steht es um die Zahlungsfähigkeit?“Liquidität 1., 2. und 3. Grades, aber nur als Stichtagswerte

Danach nimm dir diese Themen vor:

Die Formeln dazu findest du kompakt in der Formelsammlung Fachwirt WQ.

Rechnen ohne Papier: den Rechenweg in Worten sagen

Für Nebenrechnungen fehlt im Gespräch die Zeit, Hilfsmittel gibt es mündlich meist keine. Drei Regeln helfen:

  1. Erst das Prinzip, dann die Zahl. „Kurzfristig reicht ein Preis, der die variablen Kosten deckt. Die liegen bei 30 €, der Kunde bietet 40 €, also bleiben 10 € je Stück.“ Auch bei einem Rechenfehler hört der Ausschuss den richtigen Ansatz.
  2. Die Bezugsgröße laut nennen. 20 € Aufschlag auf 80 € Einstandspreis sind 25 % Kalkulationszuschlag. Dieselben 20 € auf 100 € Verkaufspreis sind 20 % Handelsspanne.
  3. Mit einer Probe abschließen. Ein Satz reicht: „Zur Probe: 125 € minus 20 % Rabatt sind 100 €, minus 2 % Skonto sind 98 €.“

Diese Griffe machen das Kopfrechnen leichter:

RechenschrittSo geht es im KopfBeispiel
10 %Komma eine Stelle nach links10 % Rabatt auf 1.000 € sind 100 €
2 %1 % bilden und verdoppeln2 % Skonto auf 900 € sind 18 €
Im Hundert rechnendurch 0,98 oder 0,80 teilen98 € durch 0,98 sind 100 €, 100 € durch 0,80 sind 125 €
Auf Hundert herausrechnendurch 1,08 teilen108 € durch 1,08 sind 100 €

Sind die Zahlen krumm, runde und sag es dazu: „Grob gerechnet sind das …“

Drei Beispielfragen mit Kernpunkten

Unter jeder Frage stehen die Kernpunkte einer vollständigen Antwort und eine typische Nachfrage.

Beispiel 1: Zusatzauftrag unter Vollkosten

Ihr Betrieb hat freie Kapazitäten. Ein Neukunde bietet für 1.000 Stück 40 € je Stück. Die Vollkosten liegen bei 50 €, die variablen Kosten bei 30 € je Stück. Nehmen Sie an?

Typische Nachfrage: „Und wenn die Kapazität ausgelastet ist?“ Dann steigt die Preisuntergrenze um den entgangenen Deckungsbeitrag der verdrängten Aufträge, also um die Opportunitätskosten.

Beispiel 2: Rohstoffe mit gesunkenem Marktpreis

Rohstoffe wurden für 10.000 € eingekauft. Am Bilanzstichtag liegt der Marktpreis bei 8.000 €, voraussichtlich nur vorübergehend. Mit welchem Wert bilanzieren Sie?

Typische Nachfrage: „Wäre es bei einer Maschine anders?“ Ja, im Anlagevermögen gilt das gemilderte Niederstwertprinzip: Abschreibungspflicht nur bei voraussichtlich dauernder Wertminderung.

Beispiel 3: Was gehört in die Kostenrechnung?

In der GuV stehen 2.000 € Spende, 50.000 € Löhne und 12.000 € bilanzielle Abschreibung. Kalkulatorisch sollen 15.000 € Abschreibung angesetzt werden. Was übernehmen Sie in die Kostenrechnung?

Typische Nachfrage: „Was sind Zusatzkosten?“ Kosten, denen kein Aufwand gegenübersteht, etwa der kalkulatorische Unternehmerlohn beim Einzelunternehmer.

Sprich jede Antwort einmal laut. Bringst du alle vier Kernpunkte unter, ohne abzulesen, sitzt das Thema.

Typische Stolperfallen in Rechnungswesen

StolperfalleSo ist es richtig
Zusatzauftrag ablehnen, weil der Preis unter den Vollkosten liegtBei freier Kapazität zählt kurzfristig der Deckungsbeitrag
Den Zuschlag für Verwaltung und Vertrieb auf die Einzelkosten rechnenBezugsgröße sind die Herstellkosten
Skonto und Rabatt in der Vorwärtskalkulation einfach aufschlagenIm Hundert rechnen, sonst landest du statt bei 125 € nur bei knapp 120 €
Forderungen schon in die Liquidität 1. Grades einrechnenDort zählen nur die liquiden Mittel
Rückstellungen und Rücklagen gleichsetzenRückstellungen sind Fremdkapital, Rücklagen Eigenkapital
Cashflow mit Jahresüberschuss oder Kontostand gleichsetzenVereinfacht: Jahresüberschuss plus Aufwendungen ohne Auszahlung wie Abschreibungen

Vorbereitung in drei Wochen: der REWE-Plan

Tipps zu Ablauf, Antworttechnik und Nervosität stehen im Ratgeber Mündliche Ergänzungsprüfung vorbereiten. Für REWE startest du mit den Rechenthemen, denn dort brauchst du die meiste Sprechpraxis.

ZeitraumThemenSo übst du
Woche 1Deckungsbeitrag, Preisuntergrenzen, Break-even, Engpass, Eigenfertigung oder Fremdbezug, Zuschlags- und HandelskalkulationJeden Rechenweg in drei, vier Sätzen laut sagen, ohne Papier
Woche 2Aufwand und Kosten, kalkulatorische Kosten, BAB, Wertansatz in der Bilanz, Anschaffungskosten, RückstellungenZu jedem Thema die Stolperfalle und den richtigen Satz dazu aufschreiben
Woche 3Liquidität, Eigenkapitalquote, goldene Bilanzregel, Rentabilität und Leverage, Cashflow, PlanungKennzahlen deuten statt nur ausrechnen; zwei bis drei Probegespräche à 15 Minuten, etwa im MEP-Trainer
Letzte zwei TageNur die fünf DauerbrennerNoch einmal laut erklären

Hast du nur zwei Wochen, nimm in Woche 1 die Dauerbrenner, in Woche 2 Kennzahlen und Probegespräche.

So übst du mit dem MEP-Trainer

Zum Üben durch Sprechen gibt es den MEP-Trainer: 120 Karteikarten, 30 je Fach. Jede Karte enthält eine Situation, die Prüferfrage, die Kernpunkte, eine Musterantwort, mögliche Nachfragen der Prüfer und die typische Stolperfalle. Die drei Beispielfragen oben gehören zu den Karten, die du ohne Anmeldung siehst.

Ein kostenloses Konto legst du hier an.

Häufige Fragen

Muss ich in der mündlichen Ergänzungsprüfung Rechnungswesen rechnen?

Kurze Überschlagsrechnungen können vorkommen. Wichtiger ist, dass du den Rechenweg in Worten erklärst und das Ergebnis für den Betrieb deutest.

Wie lange dauert die mündliche Ergänzungsprüfung in Rechnungswesen?

Laut den Fachwirt-Verordnungen in der Regel nicht länger als 15 Minuten. Die Einzelheiten nennt dir deine IHK.

Wie viele Punkte brauche ich mündlich in REWE?

Die schriftliche Leistung zählt doppelt, also rechnest du 150 minus 2 mal deine schriftlichen Punkte. Mit 42 Punkten schriftlich brauchst du 66 Punkte im Gespräch. Die vollständige Tabelle steht im Ratgeber zu den Punkten in der Ergänzungsprüfung.

Muss ich Paragrafen aus dem HGB nennen können?

Bei Bilanzfragen hilft es, etwa § 253 Abs. 4 HGB für das strenge Niederstwertprinzip. Fällt dir die Nummer nicht ein, erkläre das Prinzip.

Kann ich ohne Anmeldung üben?

Ja. Im MEP-Trainer sind ohne Anmeldung 5 Karten je Fach und ein Beispielgespräch freigeschaltet. Für das KI-Probegespräch brauchst du ein kostenloses Konto.

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